Jeder, der Familienforschung betreibt, wird seine eigene Erfahrungen machen.

Wer in Polen seine Vorfahren sucht, sollte nicht auch all die Fehler machen, die ich gemacht habe.
Da ich mit meinen Forschungen völlig unwissend begonnen habe, habe ich diese Unkenntnisse mit viel Zeit und Geld bezahlt.
Eine sehr gute Hilfstellung kann bei der Familienforschung das Buch “Ahnen – und Familienforschung in Polen leicht gemacht” von Werner Zurek (erschienen im R.G. Fischer Verlag) sein.
Ich bin leider darauf zu spät gestoßen.

Trotz dieser Literaturempfehlung möchte ich noch einige ergänzende Hinweise geben.
Diese beziehen sich auf meine Erfahrungen, die ich in den Forschungsgebieten, die ich unter “östliche Friedenberger” beschrieben habe, gewinnen konnte.
Die wichtigsten Quellen dafür waren die ausgewerteten Kirchenbücher, die ich jeweils am Ende eines Kapitels aufführe.
Bei der Auswertung von Kirchenbüchern anderer polnischer Gegenden kann man durchaus zu etwas anderen Ergebnissen kommen.

In Polen gab es bis 1945 keine Standesämter.
Diese Aufgabe war bis dahin Sache der Pfarrer.
Damit sind in Polen zuerst die kirchlichen Unterlagen und dann die staatlichen Archive für den Familienforscher die wichtigsten Quellen.
Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage (allgemein als Mormonen bekannt) hat in Polen viele Kirchenbücher verfilmt.
In diese Filme kann man in den vielen Genealogischen Forschungsstallen der Mormonen für ein geringes Entgelt (verglichen mit anderen Einrichtungen) einsehen.
Gewisse Kenntnisse in Latein; Polnisch und Russisch (je nach auszuwertenden Zeitraum) sind von Vorteil.
Das Erhalten von Unterlagen aus polnischen Archiven ist in letzter Zeit wesentlich vereinfacht und auch kostengünstiger geworden.

Die Art der Führung der Kirchenbücher kann in drei zeitliche Abschnitte unterteilt werden:


Die Deutschen hingen zumeist trotz ihrer räumlichen Trennung von Deutschland zäh an ihrem Deutschtum fest.
Das war hauptsächlich das Verdienst der evangelischen Kirche, die u.a. auch deutsche Schulen und Vereine auf vielfältige (jedoch kaum finanzieller) Art unterstützte.

Abgeschnitten von Deutschland bewahrten die evangelischen Deutschen — gestützt auf ihren Glauben und ihre Sprache — ihr deutsches Wesen.
Meine Eltern sprachen und schrieben als Bauern ein gutes Deutsch und kannten viele deutsche Lieder, Märchen und Geschichten, die unsere heutigen Kinder in Deutschland leider nicht mehr kennen.
Deren Eltern haben es ihnen nicht vorgelebt.

Eheschließungen wurden bei den Evangelischen fast nur untereinander vollzogen.
Gab es in einer fast reinen katholischen Gegend nur ein oder zwei deutsche Dörfer mit Evangelischen, drohte auf Dauer Inzucht.
Die wenigen katholischen Deutschen auf dem Lande wurden, wenn sie sich während der Besiedlungszeit nicht den Evangelischen anschlossen, zumeist nach wenigen Generationen polonisiert.

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