Zwischen Oder und Weichsel gibt es verschiedene Landstriche mit geringer Bodenqualität. Diese Gebiete wurden erst spät besiedelt. Dazu gehören auch die Gegend um Neutomischel , das Kalischer Land und das Gebiet um Lodz.
Und genau diese Landstriche waren die Siedlungsgebiete unserer östlichen Friedenberger.
Wie kam es dazu?
Viele Deutsche waren mit ihren Lebensverhältnissen unzufrieden.
Schon seit Jahrhunderten suchten und fanden Unbegüterte in Pommern, Sachsen (das bis 18014 an die Bober und dem heutigen Oder-Spree-Kanal reichte), Schlesien und der Neumark eine neue Heimat.
Doch bald wurde auch hier das Land knapp.
Die Willkür der allmächtigen Obrigkeit, Militärdienst ohne Ende und religiöse Konflikte (Gegenreformation) und Kriege verursachten eine weitere Suche nach Gegenden mit der Aussicht auf bessere Lebensbedingungen.
Man ging über die Grenze nach Polen, erst illegal, bald war man dort willkommen.
Unter den Neuen war sicherlich auch eine Anzahl entlaufener Leibeigener und Militärangehöriger. Wer konnte ihnen das verdenken?
Erst siedelten sie illegal in abgelegenen Gegenden, dann boten evangelische Polen nahe der Grenze zu den deutschen Ländern diesen Bedrängten ihre zumeist unfruchtbaren Ländereien zur Besiedlung an.
Diese Unternehmungen waren so erfolgreich, dass daraufhin von den polnischen Grundherren Werber in die deutschen Länder geschickt wurden, um weitere Leute auf ihren Grundbesitz zu holen.
Der polnische Reichstag hatte, indem er die Ansetzung von eigenen Leibeigenen zu freiem Siedlerrecht verbot, den Deutschen praktisch ein Kolonistenmonopol zuerkannt.
So erhielten die Deutschen eine Reihe Vorrechte (wie Glaubensfreiheit, eigene deutsche Schulen, Befreiung vom Militärdienst für die Zugewanderten), die den eigenen polnischen Bauern verweigert wurden.
Hier waren sie Freie und schlossen als solche mit den Grundherren auch die entsprechenden Verträge ab.
Für die Adligen und Kirche war die Berufung deutscher Bauern ein einfaches und bequemes Mittel, von bisher ertragslosem Wald-, Dünen- und Sumpfland Zinseinnahmen zu gewinnen.
Dieser Sachverhalt wurde und wird in Polen leider verschwiegen.
Viel mehr als mit Bäumen und Gestrüpp bewachsenes sowie morastiges Land boten sie den Siedlern selten.
So wuchsen diese Siedlungen in einer Kette aufeinanderfolgenden Tochtersiedlungen weit nach Osten, bis nach Kiew und Bessarabien.
Die ursprünglich von den Holländern übernommene Technik der Urbarmachung
minderwertigen Bodens wurde auf die Mehrzahl der neuen Siedler übertragen.
Sie wurden als Holländer” bezeichnet. Im Polnischen tragen noch heute viele Ortschaften die Zusatzbenennung “Holendry” bzw. “Olendry” oder “Olędry”.
Polen war damals in religiösen und wirtschaftlichen Dingen ein recht tolerantes Land.
Die deutschen Ankömmlinge waren fast ausnahmslos evangelischen Glaubens.
Eigene evangelische Kirchen entstanden erst nach einer gewissen Konsolidierung des Siedlerwesens.
Bis dahin wurden in der Nähe liegende katholische Kirchen von den Deutschen wegen des “falschen” Glaubens bei kirchlichen Handlungen z.T. unregelmäßig besucht.
Erst mit Abschluss von Siedlungsverträgen wurden die Deutschen verpflichtet, zumindest die Geburten und Hochzeiten beim katholischen Pfarrer anzuzeigen.
Damit gibt es bis zur Entstehung eigener Kirchen oft nur wenige Unterlagen, die über das damalige Geschehen in den deutschen Siedlungen Auskunft geben können.
Auch für die spätere Zeit bis 1945 ist es heute – erschwert durch die vielen Verluste an Dokumenten aller Art um 1945 und der abweisenden Haltung der polnischen Behörden bis etwa 1995/2000 – sehr schwierig, eine erfolgreiche Ahnenforschung – zumal für Deutsche (Schweizer und Amerikaner wurden viel zuvorkommender behandelt) – durchzuführen.
Von Pferden gezogene Planwagen waren beim Umzug ganzer Wirtschaften die komfortablen Verkehrsmittel in früheren Zeiten.
Aber Pferdewagen hatten nur die, die zu Hause noch Eigenes verkaufen konnten bevor sie in die Fremde gingen.
Nach Erwerb von Siedlungsland (auf Zinsbasis, da man ja zumeist kein Geld zum Kaufen hatte) mussten in der Regel, um Acker- und Wohnland zu gewinnen, erst Bäume gerodet, Gestrüpp beseitigt, die erste Saat eingebracht und für den Winter eine Behausung errichtet werden.
Sehr oft wurden, um Anbaufläche zu gewinnen, ganze Hügel abgetragen und mit diesem gewonnenen Erdreich Sümpfe verfüllt; Entwässerungsgräben angelegt. Es wurde Torf gewonnen und mit dem Sandboden gemischt. Alles reine Gärtnerarbeit im großen Stil. Das alles mit Hacke und Spaten.
Die ersten Jahre müssen sehr schwer gewesen sein.
Da war gegenseitiger Beistand überlebenswichtig. Deshalb begab man sich in fremdes Land zumeist in einem Verband von Familienangehörigen oder sehr guten Bekannten.
Die meisten Polen, die jetzt dort wohnen, haben keine Vorstellungen davon, was unsere Vorfahren vor Jahrhunderten dort vollbracht haben.
Ich glaube, wir wären mit unserer heutigen Einstellung nicht in der Lage, solche Leistungen zu vollbringen.
Doch waren es die Generationen vor uns, die die wesentlichen Voraussetzungen geschaffen haben, damit wir heute in Wohlstand leben können.
Heute steht bei vielen nicht die nützliche Tätigkeit im Vordergrund, sondern ein vermeintlicher Spaß, der oft nur Zeitvertreib ist.
Wir sind verweichlicht und weit entfernt von den Tugenden der Generationen vor uns.
Die östlichen Friedenberger waren bis etwa 1870 fast durchweg evangelische Bauern. Dann zogen die höheren Löhne die, die die Wirtschaften der Eltern nicht übernehmen konnte, in die umliegenden Städte, gingen weiter in Richtung Osten oder nach Amerika, später - bedingt durch die kriegerischen Ereignisse - auch nach Deutschland.
Die deutsche Besiedlung in Mittelpolen und Wolhynien unterscheidet sich grundsätzlich von der an der unteren Wolga.
Die Deutschen an der Wolga wurden durch die russische Regierung ins Land geholt.
Die Verträge mit den Deutschen wurden mit Beauftragten der Zarin abgeschlossen.
Die Ansiedlung in Mittelpolen und Wolhynien war dagegen eine reine private Angelegenheit zwischen den jeweiligen Grundbesitzern und den deutschen Siedlern.
Ausgewertet habe ich u.a. folgende Literatur für die Siedlungsgebiete der östlichen Friedenberger.
Aus obigen Quellen habe ich den Siedlungsweg der Friedenberger abgeleitet und danach die entsprechenden Kirchenbücher ausgewertet.