auf den Spuren der Friedenberger

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Friedenberger an der Wolga in Russland

Für diese Friedenberger habe ich zwei Zufallsfunde, die ich im Internet in den Jahren 2001 und 2009 aufgestöbert habe.

Einführung

Nach einem Aufruf der Zarin Katharina, der Tochter des Fürsten Christian August von Anhalt-Zerbst und seit 1762 auf dem russischen Thron, zogen zwischen 1764 und 1767 zahlreiche Bauern, vorwiegend aus Bayern, Baden, Hessen, der Pfalz und dem Rheinland in das Steppengebiet an der unteren Wolga und gründeten Siedlungen mit Namen wie Katharinenstadt, Mühlberg, Rosenheim, Warenburg, Zürich und Philippsfeld.
Zwischen 1764 und 1774 wurden über 100 Dörfer gegründet.
Um die Deutschen in das Land zu holen, gewährte der russische Staat ihnen viele Privilegien, wie eigene Verwaltung mit deutscher Amtssprache, Religionsfreiheit, Befreiung vom Militärdienst, Steuerbefreiung für mehrere Jahre.
Die Mehrzahl der russischen Landbevölkerung selbst war leibeigen.

Die um 1765 ins Land gekommenen Deutschen lebten sich nach vielen anfänglichen Problemen an der Wolga ein und hatten reichlich Nachwuchs.
Dieser Nachwuchs gründete hier viele Tochtersiedlungen.

Das Siedlungsgebiet der Wolgadeutschen lag bis 1941 beidseitig an der unteren Wolga, ca. 150 bis 300 km nördlich dem früheren Zarizyn, dem späteren Stalingrad und dem heutigen Wolgograd.

Aus Wikipedia habe ich entnommen:
" Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte man allein in den Gouvernements Saratow und Samara ungefähr 600.000 russische Bürger – deutsche Siedler, die zum größten Teil einen Raum vergleichbar der Größe von Rheinland-Pfalz (ca. 20.000 km 2) ober- und unterhalb der Regionalmetropole Saratow bevölkerten”.

Beginnend um 1870 wurden die für ewig zugesagten Rechte nach und nach widerrufen und es setzte eine allgemeine staatliche Russifizierung und damit eine antideutsche Kampagne ein.
Deshalb verließen viele Wolgadeutsche (wie auch Deutsche aus Mittelpolen und Wolhynien) Russland und gingen vorwiegend nach Übersee.
Die hier verbliebenen Deutschen haben aber auch nach 1917 einige schlimme Perioden (Bürgerkrieg, Hungerkatastrophen, Zwangskollektivierung und politischen Repressionen gegen die Deutschen) durchmachen müssen.

1918 wurde die “Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen” gegründet und 1924 der Status noch erhöht in die “Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Wolgadeutschen” .
Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion 1941 wurden die Deutschen nach Innerasien in Sondergebiete vertrieben. Sie verloren für viele Jahre die Bürgerrechte und Zehntausende ihr Leben.
Kurz nach der Vertreibung wurden auch die deutschen Ortsnamen (bis auf Engels und Marks) in zumeist erfundene russische Namen umgewandelt.

Die Deutschen hier mussten für Sünden büßen, die die Reichsdeutschen begangen haben.
1964 wurden sie rehabilitiert.
In ihre alte wolgadeutsche Heimat konnten sie jedoch nicht mehr zurückkehren.
So kamen viele nach Deutschland.
In Russland waren sie die Hitler und Faschisten, in Deutschland anfänglich bei vielen leider die nicht willkommenen Russen.

Wolgadeutsche Friedenberger

Der 1. Fund über Friedenberger aus dem Jahre 2001 beinhaltet eine Liste deutscher Siedler  , die 1857 von den Mutterkolonien Stephan, Schwab und Kraft (westl. der Wolga) weg sind und die Tochtersiedlung Friedenberg (östl. der Wolga) gründeten.
Unter diesen Siedlern befand sich auch ein 48-jähriger Michael Friedenberger mit seiner Frau Maria Catharina und drei Söhnen im Alter zwischen 13 und 20 Jahren.
Deren ältester Sohn Jacob Peter war zum Zeitpunkt des Umzuges von Schwab nach Friedenberg 20 Jahre alt und bereits verheiratet mit der 23-jährigen Anna Elisabeth.
Der Vater Michael wurde demnach um 1810 und sein ältester Sohn Jacob Peter um 1837 (bereits in Schwab) geboren.

Ein 2. Fund im Internet im Jahre 2009 beinhaltet ein Ehepaar Jakob Kaiser und Elisabeth Friedenberger.
Für die Elisabeth Friedenberger werden als Geburtsjahr 1832 und als Geburtsort die Kolonie Seewald genannt.
Dieses Ehepaar ließ 1851 und 1857 in Seewald Kinder taufen.
Die Kolonie Seewald lag ca. 50 km nordwestlich von Schwab.
Diese Elisabeth kann eine Tochter des obigen Michael Friedenberger und der Maria Catharina sein.
Demnach lebten Friedenberger bereits 1832 im Wolgadeutschen Gebiet.

Der erste Friedenberger in Wolhynien (bei Luck) ist mir nach gründlicher Auswertung der Unterlagen erst für 1862 bekannt.
Die Entfernung (Luftlinie) zwischen z.B. Stuttgart in Deutschland und Luck in Wolhynien beträgt ca. 1200 km.
Der Wohnort der Friedenberger an der Wolga liegt noch ca. 1400 km (Luftlinie) weiter ostwärts.
Demnach ist das Vorhandensein dieser Friedenberger an der Wolga zu so einem frühen Zeitpunkt doch ungewöhnlich.
Woher sie nach Seewald / Schwab gekommen waren ist mir noch unbekannt.
Folgende Varianten sind möglich:
- die Friedenberger kamen mit den ersten Siedlern aus Süddeutschland oder Hessen, aus dem auch die überwiegende Anzahl der Deutschen stammte.
- oder sie kamen aus den westlichen Teilen Russlands (Polen).
Gegen letztere Variante spricht eigentlich der Weg der Siedler, denn dieser führte über die Ostsee nach St. Petersburg und dann auf dem Landweg bis zur unteren Wolga.
Die Friedenberger in Polen wohnten dagegen tief im Binnenland.

Die Karte der deutschen Kolonien an der Wolga   zeigt die Lage der Mutterkolonie Schwab an der Wolga und die Tochtersiedlung Friedenberg am Fluss Jeruslan zwischen den Orten Wiesenmüller und Gnadenfeld im Kreis Seelmann.

Das Zusammentreffen des Ortsnamens Friedenberg mit dem Familiennamen Friedenberger ist hier rein zufällig.

Karl Stumpp hat in seinem Buch “Die Auswanderung aus Deutschland nach Russland in den Jahren 1763 bis 1862” eine sehr umfangreichen Auflistung der deutschen Siedler vorgenommen. Darin konnte ich jedoch keine Friedenberger finden.
Diese Friedenberger hingen bis vor kurzem völlig losgelöst im Raum.

Aber ein 3. Fund im Internet aus dem Jahre 2009 hellt diese Friedenberger im Wolgagebiet auf und brachte eine Verbindung zu Friedenberger in den USA, da er Nachkommen des obigen Jacob Peter und seiner Frau Anna Elisabeth (geb. Wunsch) in Friedenberg in Russland und in Rocky Ford und La Junta in Colorado (USA) darstellt.
Dieser Jacob Peter und seine Frau Anna Elisabeth hatten mindesten zwei Söhne, nämlich den 1872 geborenen Johann Friedrich und den 1875 geborenen Jacob.
Weitere Kinder sind nicht bekannt. Da sie aber bereits 1857 verheiratet waren, werden sie auch vor 1872 Kinder in die Welt gesetzt haben.
Diese beiden Brüder haben Schwestern mit dem Familiennamen Kindsvater geheiratet.

Über diese Friedenberger-Brüder ist bekannt:
  • Der Johann Friedrich Friedenberger, geboren 1872 in Friedenberg, heiratete 1893 in der evangelischen Kirche in Wiesenmüller Eva Katharina Kindsvater, geboren 1876 in Wiesenmüller.
    Sie sind zwischen 1907 und 1910 in die USA ausgewandert.
    Dieses Ehepaar hatte 15 Kinder, davon neun Söhne.
    Sie sind damit das kinderreichste Friedenberger-Ehepaar, das mir bekannt geworden ist.
    - acht Kinder wurden zwischen 1894 und 1907 in Friedenberg geboren.
    - der Geburtsort des neunten Kindes ist unbekannt.
    - das zehnte bis 15. Kind wurde zwischen 1910 und 1921 in Rocky Ford bzw. in La Junta im Staat Colorado, USA, geboren.
    Für sie war die Übersiedlung in die USA ein Glücksfall, verglichen mit den Deutschen, die im Wolgagebiet verblieben sind.
    Eva Katharina starb 1948 mit 72 Jahren und der Johann Friedrich 84-jährig 1956.
    Deren Nachkommen leben vorwiegend um La Junta und schreiben sich heute Friedenberger, einige aber auch Fridenberger.
    ......mehr über diese Friedenberger   im Internet.
  • Jacob Friedenberger, geboren 1875 in Friedenberg, heiratete 1895 in Wiesenmüller Maria Elisabeth Kindsvater, geboren 1878 in Wiesenmüller.
    Andere Angaben über sie sind nicht bekannt.
Was aus den anderen Friedenberger im Wolgagebiet geworden ist, ist nicht bekannt

Quelle für diese Angaben

  • Dinges, Georg: Über unsere Mundarten, Pokrowsk, 1923
    Georg Ginges war Professor der germanischen Philologie an der Saratower Universität.
  • Genehmigung der SLUB Dresden Nr. 5869/2007 zur Veröffentlichung von erhaltenen Karten-Kopien
  • Internet
Dresden, April 2009
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