1. Einführung

Wohngebiete der Friedenberger zwischen Radom und Lublin

Nach 1850 war Mittelpolen im Wesentlichen landwirtschaftlich erschlossen. Neusiedlungen waren nur auf ertragsarmen Böden oder als Einzelsiedlungen weiter im Osten möglich.

Relativ spät, so ab etwa 1860, errichteten Deutsche aus Mittelpolen auch neue Dörfer um Radom, an der linken Weichselseite bei Puławy und um Lublin.

2. Die ersten Friedenberger zwischen Radom und Lublin und deren Herkunft

Die Brüder Samuel und August Friedenberger aus Wykno bei Ujazd in der evangelischen Kirchgemeinde Tomaszów Maz. siedelten sich 1868 in Lasowice und Mysliszewice östlich Radom an.
Deren Vater Anton stammte aus Janówka und siedelte später in Wykno.
1875 wohnten Samuel und August dann als Bauern in Leokadiów und Zarzecze.

Bessere Karten können Sie unter der Tabelle im PDF-Format mit Adressen polnischer Karten - mit Angabe der jeweiligen Koordinaten für die betreffenden Orte - finden.

Über diese Friedenberger habe ich in Sachen einer Erbangelegenheit in Wykno im Lodzer Land den Beschluss über die Absprache der Erben beim Tomaszower Notar Müller.
Hier der Kopf des Schreibens:

Die ersten zwei von insgesamt x Seiten
Protokoll über Gerichtsbeschluss 1876 Seite 1
Protokoll über Gerichtsbeschluss 1876 Seite 2

Daraus und aus einer Vollmacht von 1875 konnte ich die familiären Zusammenhänge mit den anderen Friedenberger einwandfrei ableiten.

Ein Ausschnittaus der Vollmacht des Radomer Notars Pawel Karwadski:


Dazu der Übertrag ins Deutsche:


    " Nr. 232"
    “Es geschah in der Gouvernement–Stadt Radom in der Kanzlei Ziemianski am
    fünften / siebzehnten August achtzehnhundertundfünfundsiebzig.

    Vor dem Pawel Karwadski, Notar in der Kanzlei Ziemianski in Radom, wohnhaft in Radom–Stadt erschienen die am Ende des Aktes aufgeführten Zeugen und persönlich vorstellig wurden:
    Kolonisten 1. Samuel Frydenberg bzw.Frydenberger, 2. August Frydenberg bzw. Frydenberger, 3. Julianna Radke, geb. Frydenberg, Ehefrau des Wilhelm Radke in Begleitung und vom Ehemann bevollmächtigt, wohnhaft in dem Dorf Zarzecze, Kreis Kozienice und im Dorf Mysliszewice, Kreis Radom und sagten vor dem Notar aus:
    Nach dem Tode des Vaters Anton Frydenberger verblieb das Anwesen in der Kolonie Wykno, Gemeinde Ciosny, Kreis Brzeziny, Gouvernement Piotrków, eingetragen in der Tabelle unter der Nr. 9 auf den Namen der Aussagenden und der Angehörigen, insgesamt acht Erbfolger, darunter Wilhelm Frydenberger, welcher mit dem Rest der Angehörigen ein Übereinkommen hatte über den Kauf des Anwesens für den eigenen Bedarf. .....................”

3. Verbreitung der Friedenberger zwischen Radom und Lublin

Die beiden ersten Friedenberger- Familien hatten etwa je 8 Kinder, so dass um 1930 dort bereits eine beachtliche Zahl Friedenberger lebte.
Sie wohnten zuerst in Lasowice und Mysliszewice , etwa 8 km östlich Radom, später in Leokadiów und Zarzecze, westlich der Weichsel bei Pulawy und in Tomaszowice , 10 km westlich Lublin sowie in Adamów im Kreis Radom oder Kozienice.

4. Berufe der Friedenberger

Diese Friedenberger haben sich als Bauern bezeichnet.

5. Abwandern der Friedenberger aus dem Gebiet zwischen Radom – Lublin

  • vor 1914
    Samuel Friedenbergers Söhne August (geb. 1873) sind von Leokadiów nach Tomaszowice bei Lublin und Christoph (geb. vor 1873) vermutlich nach Wolhynien verzogen.
  • 1914 bis 1930
    Zwischen 1928 und 1930 wanderten August Friedenberger und fünf seiner Kinder mit ihren Familien in mehreren Schüben von Tomaszowice
    nach Eldorado und Montecarlo in Argentinien aus.
    Zu ihnen kam auch Christoph Friedenberger.
    Andere Friedenberger sind nach Kanada und Brasilien.
  • 1944/45
    Ende 1944 standen die Russen an der Weichsel. Die restlichen Friedenberger flüchteten (vornehmlich mit Pferdewagen) und erreichten vor den Russen Deutschland.

  • Friedenberger von Radom und Lublin nach .........

6. heutige Nachfahren der Friedenberger aus Radom - Lublin in Deutschland

In Deutschland sind sie wenig vertreten. Sie wohnen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg.
Die meisten Nachfahren dieser Friedenberger leben heute in Übersee, so allein in Argentinien ca. 40 Friedenberger-Familien.

Quelle für diese Angaben

Die Kirchenbücher der zuständigen evangelischen Kirche Radom sind leider 1945 verloren gegangen. Aber über diese Friedenberger gibt es aussagefähige andere Unterlagen, so

  • Im Archivum Państwowe Łódkzi von der Kirche Jesu Christi gefilmte Kirchenbücher der evangelischen Kirche Łódź und Nowosolna und der katholischen Kirchen Ujazd und Budziszewice, in die ich in einer Genealogischen Forschungsstelle eingesehen habe
  • Gerichts- und Notarakten aus Tomaszów Mazowiecki für den Zeitraum 1875 bis 1896, die ich aus privatem Besitz erhalten habe
  • Bierwerth, Heike, Anklam: Schriftverkehr zwischen Friedenberger-Nachkommen in Argentinien und ihr Briefwechsel mit einer Vielzahl von Friedenberger
  • Angaben aus Briefverkehr mit anderen Friedenberger
  • Genehmigung der SLUB Dresden Nr. 5869/2007 zur Veröffentlichung von erhaltenen Karten-Kopien
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