1. Einführung

Wohngebiet der Friedenberger im Lodzer Land

Hinweis
Von der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden habe ich die Genehmigung zur Veröffentlichung nur bestimmter Landkarten.
Für das Lodzer Gebiet bietet der polnische Server MAPSTER gute polnische topografische Karten in Farbe an.
Daraus habe ich für Orte, in denen östliche Friedenberger lebten, eine
Tabelle im PDF-Format mit Adressen polnischer Karten
mit Angabe der jeweiligen Koordinaten angefertigt.
Diese Karten haben eine Dateigröße zwischen 4 bis 16 MB.
Auch für andere, insbesondere deutsche Karten für die ehemaligen Ostgebiete in den Maßstäben von 1:25.000 bis 1:300.000 kann man unter sehr gutes Kartenmaterial aus der Zeit vor 1945 finden

Im Ergebnis der 3. polnischen Teilung 1795 kam dieses Gebiet einschließlich Warschau als Südpreußen an Preußen, zwischen 1807 und 1814 zum Großherzogtum Warschau und 1814 zum russischen Reich. Ab 1918 ist es Bestandteil des polnischen Staates.
Die älteste Urkunde über die Gründung einer deutschen Holländerei im Lodzer Land datiert von 1782.
Um 1800 gab es bereits etwa 50 deutsche Dörfer.

Die polnischen Grundbesitzer (Adel und Kirche) besaßen hier wohl viel Land, konnten daraus aber wenig Gewinn erwirtschaften, weil wegen der schlechten Bodenverhältnisse eine Besiedlung nicht zustande kam.
Deshalb warben die polnischen Grundbesitzer deutsche Siedler an, die mit diesen Bodenverhältnissen besser zurecht kamen als die hier ansässigen zumeist leibeigenen Polen.
Wie begehrt die Deutschen waren, ersieht man aus der Zusicherung verschiedener Zugeständnisse, die man den eigenen Polen verwehrte. So erhielten die Deutschen z. B. das Recht auf freie Ausübung ihres Glaubens, der Errichtung eigener Schulen, Pflege der eigenen Kultur, Befreiung vom Militärdienst, Befreiung von Abgaben für die Dauer von fünf bis sieben Jahren.
Das Land, das man ihnen anbot, wurde von der Mehrzahl der neuen Siedler so beschrieben:
“Der Grund ist mit großem Fichtenholz bestanden, liegendem Holz, Unterholz, Fichtenausschlag, mit Birke und Haselstrauch so dick belegt und verwachsen, dass man nicht durchkommen kann, dass überdies das Land zum Teil sumpfig ist und viel Gräben geschlagen werden müssen.”
Sie standen also vor der Aufgabe, eine reine Wildnis in Ackerland umzuwandeln.
Und die Deutschen scheuten diese Arbeit nicht.

Das Urbarmachen des übernommenen “Waldstückes” war ein hartes Stück Arbeit, denn zum Schaffen des Ackerlandes musste der Wald gerodet, das Strauchwerk beseitigt und oft Entwässerungsgräben angelegt werden. Zudem mussten Unterkünfte vor dem kommenden Winter hergerichtet werden.
Aber sie und die folgenden Generationen haben aus dieser Wildnis eine blühende Landschaft geschaffen.

Die deutschen Siedler kamen erst zögerlich, dann aber in Scharen. Sie waren freie Leute und fast durchweg evangelischen Glaubens.

Meine Mutter sagte, man brauchte als Fremder nur etwas durch einen Ort zu gehen und konnte mit Bestimmtheit sagen, ob darin Deutsche oder Polen lebten.

Hier im Lodzer Land trafen sich die ländlichen deutschen Siedler, die ursprünglich aus den Muttersiedlungen Pommerns und Schlesiens kamen, zusammen. Entsprechend ihrer Herkunft sprachen diese Siedler im westlichen Siedlungsgebiet vornehmlich Schlesisch, im östlichen Gebiet vorwiegend Pommersch.
Zur preußischen Zeit entstanden aber auch einige Schwabensiedlungen, so z.B. Grömbach (Łaznowska Wola) und Königsbach (Bukowiec).

Hier in Mittelpolen siedelten vor 1914 etwa 180.000 Deutsche, davon ca. 83.000 in 315 größeren und in 480 kleineren oder eingesiedelt in polnischen Dörfern.

Ebenfalls rasch entwickelte sich die Stadt Lodz (Łódź) innerhalb weniger Jahre zur Großstadt.
Die Tuchmachereien dieser Gegend versorgten ganz Russland.
Mit der Bildung des polnischen Staates brach der russische Markt weg und die Textilindustrie geriet in eine schwere Krise.

Die Deutschen in Łódź schrieben den Namen ihrer Stadt bis 1939 vorwiegend mit Lodz.
In der kurzen deutschen Zeit zwischen September 1939 und Jan. 1945 wurde Lodsch geschrieben, wobei im April 1940 eine Umbenennung in Litzmannstadt erfolgte.
Ich bevorzuge deshalb allgemein auch die Schreibweise mit Lodz.
Wenn es sich jedoch um amtliche Angaben (z. B. Ortsbezeichnungen) handelt, verwende ich die offizielle Schreibweise mit Łódź.

Grundlage für die nachfolgenden Betrachtungen zwischen 1800 und ca. 1890 sind hauptsächlich die Kirchenbücher. Diese sind für den Zeitraum bis ca. 1876 und einige bis etwa 1900 verfilmt und auch in Deutschland zugänglich.
Spätere Verfilmungen liegen aus Gründen des Datenschutzes noch nicht vor.
Dass die Bücher der evangelischen Kirchen für den Zeitraum zwischen 1876 und 1900 noch nicht verfilmt sind, liegt vermutlich an rein finanziellen Gründen.

Leider sind die für mich wichtigen Kirchenbücher für die evangelischen Kirchen Brzeziny und Tomaszów Maz. 1945 vernichtet worden.
Angaben nach 1876 stammen auch aus dem Kirchenarchiv Lodz, aus der Befragung verschiedener Friedenberger und vom Kirchlichen Suchdienst in Stuttgart.

2. Zeitpunkt des Eintreffens der ersten Friedenberger

Die ersten Friedenberger trafen mit ihren Familien 1816 und die letzten bis 1832 im Lodzer Land ein. Die Jahresangaben entsprechen stets den gefundenen Erstnennungen in den Kirchenbüchern.

3. Herkunft der Friedenberger ins Lodzer Land

Die Lodzer Friedenberger kamen aus dem Kalischer Land.

Bei den Eintragungen über Trauungen in den Kirchenbüchern im Lodzer Land wurden ab ca. 1808 fast immer die Geburtsorte der Brautleute angegeben. Daraus ist zu ersehen, dass die frisch getrauten Friedenberger demnach zwischen 1794 und 1817 vornehmlich in Trąbczynskie Holendry geboren waren.
Die Trąbczyner Holländerei (das spätere Łazińsk, auf deutschen Karten mitunter auch als Kolonie Łazy geführt) liegt im Kreis Konin südlich von Zagorów

4. Verbreitung der Lodzer Friedenberger

Bei den Friedenberger im Lodzer Land kann man von vier Gruppen sprechen, nämlich von einer östlichen, einer westlichen und einer südlichen Gruppe sowie von den Friedenberger in der Stadt Lodz.
Ausgangsorte dieser Friedenberger waren jeweils für die

  • östliche Gruppe: Janówka
  • westliche Gruppe: Majówka und Rydzyny
  • südliche Gruppe: spätere Einzelansiedlung in verschiedenen Dörfern um Piotrków Trybunalski
  • Lodz: spätere Einzelansiedlung von Nachkommen aus Majówka und Janówka
  • Erste Wohnorte der Friedenberger

    auf dieser Karte von 1910 sind noch Orte aufgeführt, die bald darauf eingemeindet wurden und auf späteren Karten nicht mehr zu finden sind (z. B. Erywangród)

    Bessere topografische Einzelkarten in Farbe für Polen und Wolhynien habe ich in einer Tabelle im PDF-Format zusammen gestellt.
    Aus dieser Tabelle kann man die entsprechenden Karten mit Angabe der Kordinaten für die jeweiligen Orte auswählen.

    4.1. Friedenberger der östlichen Lodzer Gruppe mit Ausgangsort Janówka

    Der erste Friedenberger, der sich im Lodzer Land ansiedelte, war mein Ur-Ur-Ur-Großvater Samuel Peter.
    Er kam mit etwa 52 Jahren zwischen 1814 und 1817 mit seiner Frau Katharina (Katarzyna) Radke und den sieben Kindern aus der Holländerei Trąbczyn im Kalischer Land und siedelte sich in Janówka, etwa 15 km östlich Lodz, an.
    Janówka, bewohnt bis 1945 auch von Nachkommen dieses Samuel, wurde zum Ausgangspunkt vieler Friedenberger in der dortigen Gegend, weiter im Osten Polens und auch in Übersee.

    Angaben über sie fand ich in den evangelischen Kirchenbüchern Łódz, Nowosolna und Pabianice sowie in den katholischen Kirchenbüchern Mileszki, Galków, Budziszewice und Ujazd.

    Zwischen 1832 und 1945 gibt es über die Friedenberger hier nur wenige erhaltene Dokumente, da die entsprechenden Kirchenbücher der evangelischen Kirchen Brzeziny (gegründet 1829, abgebrannt 1945; auf diesem Gelände befindet sich heute ein Krankenhaus) und
    Tomaszów Mazowiecki (gegründet 1832) seit 1945 unauffindbar sind.

    Nachkommen siedelten später auch in Kolonja Gałkówek, Łaznowska Wola, Kurowice, Adamów bei Budziszewice, Budziszewice, Aleksandrów bei Ciosny, Czerwonka, Eminów, Reginów, Koluszki, Łódź, Mała Wola, Slotwiny, Swiniokierz, Wykno (Dorfplan Wykno als PDF-Datei) , Tomaszów Mazowiecki, Wolbórz, Berda.

    Wykno wurde 1818 nur von zugewanderten Deutschen, vorwiegend von Pommern, wie auch andere deutsche Dörfer zu dieser Zeit ringsum, errichtet.
    Meine Lerch – Großmutter (geb. 1882) kam aus dem benachbarten Ciosny, einem reinen deutschen Dorf. Sie sprach ganz schlecht polnisch.
    Eminów entstand als gemischtes deutsch-polnisches Dorf über einen längeren Zeitraum ab 1845. Die Siedler kamen aus der Gegend südlich von Lodz.
    Nach dem Abwandern einiger – vorwiegend deutscher – Bauern aus Eminów ab 1864 nach Wolhynien übernahmen vorwiegend Polen deren Höfe.
    Zu den wenigen neuen Deutschen zählte auch mein Ur–Großvater August und seine Frau Juliane, die aus Łaznowska Wola kamen.

    Den letzten Eintrag über meine Vorfahren fand ich für das Jahr 1859 im evangelischen Kirchenbuch Pabianice.
    Es war dies der Eintrag über die Trauung meiner Friedenberger-Urgroßeltern August und Juliane Sonnenburg.
    Damals wohnten meine Friedenberger in Łaznowska Wola (Grömbach), die Sonnenburgs in der Mühle Ciepłucha.
    (Grömbach) gehörte zum Krchspiel Brzeziny, die Mühle Ciepluche etwas westlich davon jedoch (aus heutiger Sicht zum Glück) zu Pabianice.
    Die Trauung fand in Pabianice statt und diese Kirchenbücher gibt es noch.
    Darin gibt es folgenden Eintrag
    über die Trauung des August Friedenberger mit der Juliane Sonnenburg.

    Die polnische Abschrift

    Der Übertrag in das Deutsche lautet:

      1859 “Mühle Cieplucha
      3. Geschehen in Pabianice am 20. Januar 1859 um 4 Uhr nachmittags . Wir machen bekannt , dass in Gegenwart der Zeugen Friedrich Stefan , des in Romanow wohnhaften Kolonisten , 35 Jahre alt , und des Karl Lohrer, des in Laznowska Wola wohnhaften Kolonisten , 34 Jahre alt, am heutigen Tage die kirchliche Ehe geschlossen wurde zwischen
      August Friedenberger ,
      dem 19 Jahre alten Junggesellen , dem in Wola Laznowska (=Grömbach) wohnhaften Landwirt , dem in Galkówek geborenen Sohn von Gottfried und Christine geb. Radke , den in Wola Laznowska wohnhaften Kolonisten und Eheleuten Friedenberger und
      Juliane Sonnburg ,
      der 17 Jahre alten Jungfrau , Tochter des Johann Sonnburg , des in Cieplucha wohnhaften Landwirtes und seiner verstorbenen Ehefrau Rosalie geb. Will, in der Mühle Cieplucha geboren und bei dem Vater wohnhaft .
      Dieser Ehe sind ..........”

    Zum Zeitpunkt der Hochzeit war der August 19 Jahre alt und seine Juliane gerade mal 17 Jahre jung.
    Die Juliane war eine gute Partie.
    Der Müller Sonnenburg war ein reicher Mann, denn er hatte zudem noch Land und Wald.

    Das ist der einzige erhaltene Eintrag über meine Friedenberger in einem evangelischen Kirchenbuch und auch das zeitlich letzte Dokument, das nächste stammt erst aus dem Jahre 1948 - unserer Ankunft in Deutschland.

    Vier Friedenberger – Schwestern aus Wykno ist es zu verdanken, dass mehrere zur Klärung der Verwandtschaft wichtige Notarakten erhalten sind.
    Karte mit Wykno und anderen Orten, in denen Friedenberger wohnten.

    Diese Dokumente betreffen Erbangelegenheiten und Kaufverträge und sind teils in polnischer und teils in russischer Sprache abgefasst.
    Eine Bekannte und ich haben diese notariellen Urkunden für die Schwestern ins Deutsche übersetzt und daraus konnte ich u.a. die Zusammenhänge zwischen den Friedenberger aus Janówka und denen aus Radom und Argentinien klären.

    In einer Urkunde geht es um das Erbe des Anton Friedenberger aus Wykno. Dieser Anton ist der jüngste Bruder meines Ur – Ur – Großvaters Gottfried.
    Der Anton wurde 1811 geboren, mein Gottfried 1794. Deren Vater war der Samuel Peter. Gottfried und Anton waren mit Radke-Töchtern verheiratet.

    Dieser Anton zog um 1845 von Janówka nach Wykno bei Ujazd. Er starb 1857. Seine Kinder konnten sich nicht auf die Teilung des väterlichen Erbes einigen. So musste ein Notar diese Angelegenheit regeln.
    Aber dieser Streit hatte aus heutiger Sicht auch seine gute Seite, denn sonst hätte man vermutlich die familiären Zusammenhänge nicht mehr klären können.
    Der Notar regelte nicht nur die Aufteilung des elterlichen Vermögens unter die acht Kinder, sondern legte auch ganz detailliert fest, was der Sohn, bei dem die Mutter wohnte, ihr zum Lebensunterhalt bis zum Lebensende zu geben hat, wieviel Beete und den Samen dazu, das nötige Heu für die Ziege, die zu übergebende Getreide- und Kartoffelmenge, Hühner und Futter für diese, Brennholz und ... und....

    Es war für mich rührend zu lesen, wie sich der Notar für die Mutter eingesetzt hat.
    Sicherlich hatte er da so seine schlechten Erfahrungen gemacht.
    Rente gab es ja damals nicht. So waren die Alten und Gebrechlichen auf die Zuwendungen anderer angewiesen.

    Aus dem vom Notar Müller aus Tomaszów Maz. 1876 gefälltem zwölfseitigen Schiedsspruch bringe ich hier einen Auszug:

    Schiedsspruch Seite 1
    Schiedsspruch Seite 2

    dazu die Übersetzung:

              Wir

               Alexander II te

              Zar aller Russen

              König von Polen

           usw..........................usw.................................usw

      Vor dem Beamten, unserem Notar der Kanzlei in Tomaszów Rawa wurde folgender Akt bezeugt.
      Nr. REP 1772/ 19
      Es fand statt in der Stadt Tomaszów Rawa. Kreis Brzezin , Gouvernement Piotrków, in der Kanzlei des Notars im Haus Nr.30, am zwölften / vierundzwan- zigsten Januar achtzehnhundsechsundsiebzig.

      Vor dem Gustav Wilhelm Müller, Notar der Kanzlei beim Kammergericht in Brzeziny, amtierend in der Stadt Tomaszów Rawa und ebenda wohnhaft, wurden in der Kanzlei in Anwesenheit des berechtigten Notars und Rechtsanwaltes vorstellig:
      1. Marianne Radke, geb. Friedenberger, Witwe des Anton Friedenberger, Eigentümer der Ansiedlung, verbliebene Witwe in der Kolonie Wykno, Gemeinde Ciosny, Kreis Brzeziny wohnhaft, in eigenem Namen handelnd und als Mutter ihres nicht volljährigen Kindes in der Ehe mit Anton Friedenberger gezeugten Tochter, Marianna Friedenberger, bei der Mutter wohnend und den Kindern
      2. Wilhelmine Streich, geb. Friedenberger, Ehefrau des Martin Streich, Eigentümer des Anwesens, mit dem Ehemann in der Kolonie Slotwiny, Gemeinde Dlugi, Kreis Brzeziny wohnhaft, mit Vollmacht und in persönlicher Vertretung ihres Ehemannes handelnd
      3. Karolina Banser, geb. Friedenberger, Ehefrau des Wilhelm Banser, Eigentümer des Anwesens in der Kolonie Stanislawow Studzinski, in der Gemeinde Czerniewice, Kreis Rawa, Gouvernement Petrikau, gemeinsam mit dem Ehemann dort wohnhaft, in Vollmacht und in persönlicher Vertretung ihres Ehemannes handelnd
      4. Helena Friedenberger, Fräulein, volljährig, beim Bruder im Dorf Zarcecz, Kreis Kozienice, Gouvernement Radom wohnhaft
      5. Martin Streich, Eigentümer des Anwesens in der Kolonie Slotwiny, Gemeinde Dlugi wohnhaft, bevollmächtigt vor dem Pawel Karwacki, Notar der Kanzlei Ziemianski in Radom vom 15./17. August 1875 mit der Nr. 232, die Akte liegt im Original vor, im Namen des Samuel Friedenberger, August Friedenberger, Julianna Radke, geb. Friedenberger, Ehefrau des Wilhelm Radke, die Vollmacht gegeben, zu verhandeln alle als Verkäufer und
      6. Wilhelm Friedenberger, als Landwirt in der Kolonie Wykno wohnhaft, hat als Käufer seines Besitzes vorgelegt die Akte des Dorfschulzen der Gemeinde Ciosny vom 7. Mai 1875 mit der Nr. 508, herausgegeben auf der Grundlage der beigefügten Originale auf Beschluß der Gemeindeversammlung der Kolonie Wykno des gleichen Datums...............

    4.2. Friedenberger der westlichen Lodzer Gruppe mit Ausgangsorten Majówka und Rydzyny

    Bis zur Gründung der ersten evangelischen Kirchen 1809 in Łask, 1827 in Pabianice und 1828 in Konstantynów Łódzki gingen hier die evangelischen Deutschen in die nächstgelegenen katholischen Kirchen nach Pabianice, Górka Pabianicka, Kazimierz, Konstantynów Łódzki und Dobron.

    Die Urväter dieser Gruppe waren:

    • Der 1784 getaufte Georg Adelbert (Jerzy Woyciech) Friedenberger war verheiratet mit Anna Christine (Krystyna) Kochanke.
      (Kochanke ist der Bedeutung nach ein sehr schöner Name. Er ist eine deutsche Ableitung vom polnischen “kochać” und bedeutet lieben; Kochanek = Liebhaber, Kochanka = Geliebte).

      Dieses Ehepaar hatte mindestens 12 Kinder, davon sieben Söhne.
      Im Kalischer Land ließen sie zwischen 1811 und 1819 sechs Kinder taufen.
      Der erste Nachweis über sie im Lodzer Land stammt von einem Eintrag im Kirchenbuch der katholischen Kirche Pabianice. Hier ließen sie 1821 ihren in Wola Zaradzynska geborenen Sohn Michael taufen.
      Darüber gibt es folgenden Eintrag auf der Seite 54:

      Dazu der Übertrag in das Deutsche

        138
        Wola Zaradzynska
        Im Jahre achtzehnhunderteinundzwanzig am Tage des einundzwanzigsten Septembers um acht Uhr morgens. Vor Uns, dem Pastor in Pabianice und Leiter des Standesamtes der Gemeinde Pabianice im Kreis Budkowski (?) in der Wojewodschaft Kalisch wurde vorstellig Adelbert Friedenberg, dreißig Jahre zählend, Landwirt in Wola Zaradzynska und zeigte Uns ein Kind, welches geboren wurde in seinem Hause am elften diesen Monats und Jahres um acht Uhr morgens, erklärend, dass es von ihm und von Anna Christine geb. Kochanke, fünfundzwanzig Jahre alt, seiner Ehefrau, gezeugt wurde und es sein Wunsch ist, ihm dem Namen Michael Daniel zu gegeben.
        Nachdem diese Erklärung erteilt und das Kind vorgezeigt worden war in Gegenwart des Karl Reis, siebenundzwanzig Jahre alt und Georg Teis, zweiundzwanzig Jahre alt, Landwirte aus Wola Zaradzynska, ist diese Urkunde den Stellenden vorgelesen worden. Die Zeugen können nicht schreiben.
        Pastor Floryan ???????.”

      Bei der Taufe ihres achten Kindes 1824 gaben sie Majówka als Wohnort an. Georg Adelbert und seine Frau Anna Christine ließen weitere vier Kinder bis 1832 taufen.

      Hier in Majówka wohnten Friedenberger bis 1945.

      Bei Georg Adelberts Tod 1839 lebten noch sechs Söhne und zwei Töchter. Diese Söhne hatten wiederum insgesamt 28 Söhne. Davon erreichten 23 das Mannesalter.
      Somit hatte der Georg Adelbert 23 Enkel im heiratsfähigen Alter. Deren Kinder und die weiteren Nachkommen hatten ebenfalls einen reichen Kindersegen.

      Eines der schönsten Familienbilder zeigt einige seiner Nachkommen.
      Bild der Familie des Ludwig Friedenberger
      Das Bild wurde 1937 anläßlich einer Konfirmation (2.von rechts) aufgenommen.
      Sitzend Berta und Ludwig (geb. 1870) Friedenberger, stehend ein Teil deren Kinder mit Ehepartnern.
      Sie lebten damals in Zelów, Kreis Łask.
      Der Vierte von rechts ist Julius Friedenberger: er wurde 95 Jahre alt.

      Majówka (auf deutsch: Maienau) war der Ausgangspunkt der meisten mir bekannten Friedenberger.
      Diese siedelten dort auch in Belchatów, Borowice, Broge, Czyżemin, Drzewociny, Erywangród, Florentynów, Jasiona, Kolonie Teodory, Karniszewice, Konstantynów Łódzki, Łódź, Mala Mierzącka, Markowka, Mogilno, Pabianice, Pawlikowice, Rokitnica, Sawirów, Sofiówka, Terenin, Twardoslowice, Wysieradz, Zalesie

      Von keinem Friedenberger leben im gegenwärtigen Deutschland so viele Nachkommen wie vom Georg Adelbert und seiner Frau Anna Christine.

      Wie sich die politische Interessenlage in diesem Gebiet veränderte, zeigt ein Auszug aus dem Kirchenbuch von 1883 der evangelischen Kirche Pabianice und eine Bestätigung des Pfarrers von 1942 über eine Eheschließung von 1842 auch aus dieser Kirchgemeinde. Letztere wurde erstellt in Zusammenhang mit der Erstellung eines sogenannten arischen Nachweises.

      Als Beispiele dazu habe ich den oben 1821 getauften Michael Daniel gewählt, weil es von ihm besonders viele Nachkommen gibt, denn er hatte mit seiner Frau Karoline zehn Kinder.

      Seit 1868 war Russisch Amtssprache.
      Dieser Michael starb 1883.
      Über seinen Tod gibt es im Kirchenbuch folgenden (abgeschriebenen) Eintrag:


      Die Übersetzung dazu:

        “210 Majówka
        Geschehen in Pabianice am 26. November / 8. Dezember 1883 um 3 Uhr nachmittags . Es erschienen Michael Friedenberger , 25 Jahre alt , und Ludwig Bich , 43 Jahre alt , beide Landwirte aus Majówka und erklärten Uns , dass Michael Friedenberger , der in Wola Zaradzynska geborene Sohn des Georg und der Christine geb. Kochanke, der verstorbenen Ehegatten Friedenberger , heute um 6 Uhr morgens im Alter von 61 Jahren gestorben ist . Er hinterließ die verwitwete Ehefrau Karoline geb. Liedke. Nachdem wir uns durch Augenschein vom Ableben des Michael Friedenberger überzeugt haben, wurde diese Urkunde vorgelesen und nur von Uns unterzeichnet , da die Zeugen des Schreibens nicht kundig sind .
        Pastor Zimmer”

      Von 1942 gibt es vom Pfarrer der Kirche Pabianice über die Trauung dieses Michaels mit der Karolina Liedke folgende Beglaubigung (die Amtssprache zwischen 1939 bis Januar 1945 war deutsch):


      Bei dieser Trauurkunde hat der Pfarrer die Schreibweise der Vornamen eingedeutscht, jedoch die Familiennamen gemäß dem Eintrag im Kirchenbuch übernommen.

      Topografische Karte um Majówka von 1929:
      PDF-Tabelle mit Adressen polnischer Karten

    • Der Johann (Jan) Friedenberger, getauft 1785, ist ab 1827 in Rydzyny nachgewiesen. Johann war verheiratet mit Katharina Kinast (Kinas).
      Sie hatten sieben Kinder, darunter einen Sohn.

      Nachkommen wohnten in Rydzyny, Ksawerów und Pawlikowice.

      Georg Adelbert und Johann waren Brüder. Sie und deren Nachkommen pflegten den Kirchenbüchern nach über Jahrzehnte einen engen familiären Kontakt.

      Der Georg Adelbert aus Majówka und der Johann aus Rydzyny waren Neffen meines Ur–Ur–Ur–Großvaters Samuel aus Janówka.
      Soweit aus den ausgewerteten Archivalien ersichtlich, bestanden zwischen der westlichen und östlichen Gruppe keine engen familiären Verbindungen.

      Topografische Karte um Rydzyny, Pawlikowice und Czyźemin sowie Kudrowice: siehe obige PDF-Tabelle mit Adressen polnischer Karten.

    • Ein Mathias/Mathäus Friedenberger starb 1832 mit 45 Jahren in Kudrowice. Seiner Witwe Katharina Henke/Hanke hinterließ er vier Söhne und vier Töchter.
      Über diese Familie habe ich nur einen Eintrag im Kirchenbuch Pabianice gefunden. Im Sterbeeintrag sind keine Angaben über seine Eltern und dem Geburtsort enthalten.
      Woher genau diese Friedenberger kamen und was aus diesen Friedenberger nach dem Tod des Vaters geworden ist, konnte ich bisher nicht ermitteln.
    Für den Zeitraum zwischen 1795 und etwa 1808 gibt es im Kalischer Land Lücken im Bestand der Kirchenbücher für die Kirchgemeinden, in den Friedenberger wohnten.
    Dadurch sind auch einige Friedenberger im Lodzer Land unbestimmt.

    Leider sind die Bücher der evangelischen Kirchen Pabianice und Łask für den Zeitraum nach 1877 noch nicht verfilmt und können nur im Staatsarchiv Łódź eingesehen werden oder man schreibt es an.
    Die Bücher der katholischen Kirchen dagegen sind verfilmt.
    Ursache für das zögerliche Verfilmen der evangelischen Bücher ist vermutlich eine finanziellen Hintergrund.
    Die nach 1945 dezimierten evangelischen Gemeinden können durch das Bearbeiten von Anfragen ihre Kasse ein wenig aufbessern.

    1938 lebten im Gebiet der Kirchgemeinde Pabianice neun Friedenberger-Familien.
    Und zwar in Pabianice: 1x, Czyzemin: 3x, Pawlikowice: 3x, Konin: 1x, Majowka: 1x
    Für dieses Gebiet kämen zu den obigen Friedenberger noch die aus den Kirchgemeinden Konstantynów und Łask hinzu.
    Je ein Friedenberg wohnte in Pabianice und Ksawerów.

    4.3 Friedenberger der südlichen Gruppe um Piotrków Trybunalski

    Für diese Friedenberger habe ich nur Zufallsfunde, auch deshalb, weil es von den Kirchenbüchern nur noch wenige Fragmente gibt.
    Auch diese Friedenberger kamen aus dem Kalischer Land und vermutlich auch aus Galkówek bei Lodz.
    Im Kirchenbuch von Lodz wurde 1833 in Antoniów einen August Friedenberg aus dem Kalischer Land genannt. Dieser heiratete 1859 in Piotrków (deutsch: Petrikau).

    Die familiäre Zuordnung wird auch dadurch erschwert, dass es dort fast zeitgleich vier August Friedenberg/Friedenberger mit unterschiedlichen Ehefrauen (wobei zudem kaum deren Familienname bezeichnet wurden) gab.
    Friedenberger wurden genannt in Goscimowice, Karlin, Krery, Uslo, Szydlów, Wolborz und Berda.

    Eine Trauung aus vermutlich vorwiegend wirtschaftlicher Erwägung fand 1886 zwischen ungleichen Brautleuten, die aus der Gegend von Piotrków kamen, in Wolhynien statt
    Im Kirchenbuch Roźyszcze (Roshischtsche) habe ich für den 5. Januar 1886 folgenden Eintrag gefunden:

      “Adolf Friedenberger, 19 Jahre, Sohn des verstorbenen August Friedenberger und dessen Ehefrau Louise (kein Fam.- Name aufgeführt) in Janowka Podberese, Kreis Lutzk, aus Karlin Gouv. Petrikau gebürtig, mit Wilhelmine Drews geb. Rosentreter, 56 Jahre, Wittwe zu Janowka Podberese, Lutzk, Ehefrau des verstorbenen Samuel Drews, aus Alexsandrow Gouv. Petrikau gebürtig”

    Karte Friedenberger um Piotrków Trybunalski

    4.4 Friedenberger in der Stadt Lodz

    Hier erfolgte keine Erstansiedlung von Friedenberger.
    Nachkommen der ersten Friedenberger aus der östlichen und westlichen Siedlergruppe ließen sich ab etwa 1870 in Lodz nieder.

    Unser Name wurde anfänglich an und ab auch als Friedenberg geschrieben.

    Hier in Lodz hat sich bei den Friedenberger ein einmaliger Vorgang ereignet.
    Absichtlich seinen Familiennamen geändert hat sich bei den östlichen Friedenberger, soweit mir das bisher bekannt ist, nur ein Friedenberger 1912 in Lodz.

    1853 wurde in Cyżemin Johann Georg Friedenberger (ein Enkel Georg Adalberts aus Majówka), Sohn des Johann Friedenberger und seiner Ehefrau Karoline geb. Bukstriker, geboren.
    Dieser Johann Georg leistete seinen fünfjährigen Militärdienst im Kaukasus ab. Hier machte er eine gewisse Karriere.
    Beim russischen Militär wurde sein Faminlienname mit “Friedenberg” geführt.
    Nach seiner Heimkehr wurde er in Lodz Polizist in russischen Diensten. Man stellte ihn sicherlich gern ein, beherrschte er doch die deutsche, polnische und russische Sprache und war mit den örtlichen Verhätnissen gut vertraut und loyal gegenüber den russischen Behörden . Vor dem 1. Weltkrieg war er dann schon Kriminalkommissar.
    Beim Aufstand gegen die Russen 1905 beteilgten sich auch Friedenberger. So standen sich dieser Polizeioffizier und andere Friedenberger politsch gegenüber. Nach dem gescheiterten Aufstand flohen zumindest zwei Friedenberger 1905 dauerhaft nach Deutschland.
    Diese Ereignisse, vielleicht auch noch familiäre Differenzen mit anderen Friedenberger und das Bekanntwerden des schlesischen Adligen Johann Anton Ritter von Friedenberg (der in seinem Tractatus die vor 1741 in Schlesien bestehenden Rechte und die Gerichtsverfassung beschrieb) waren vermutlich die letzten Anstöße, seinen Familiennamen in “Friedenberg” zu ändern, um sich von den anderen Friedenberger abzugrenzen.
    Neben dem Eintrag über seine Taufe am 9. Oktober 1853 gibt es folgenden nachträglich eingefügten Vermerk:

    Da die Friedenberger nicht so recht wußten, woher ihre Vorfahren stammten, erhielten sie mit dem Bekanntwerden dieses Adligen auch einen sehr willkommenen Verweis auf eine adlige Herkunft und Schlesien als Herkunftsland.
    Als Beweis für die Richtigkeit wurde das obige Tractat und das Wappen dieser von Friedenberg vorgezeigt.
    Das “von” sei durch Mißverständnisse und Irrungen während mehrerer Kriege verloren gegangen und so auch das “er” angefügt worden.
    Fortan verbreitete sich bis in die Gegenwart dieser Wunschgedanke bei den Friedenberger mit dem Ausgangsorten Majówka, Lodz und Graudenz.
    Bei meinen Kontakten mit Friedenberger in Baden, Holstein, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz erhielt ich schon vor gut zehn Jahren Hinweise über eine angeblich adlige Herkunft der Friedenberger.
    Ich konnte bei meinen jahrelangen intensiven Forschungen für die Richtigkeit dieser Behauptung nirgends einen stichhaltigen Beleg finden.
    Wie die Friedenberger tatsächlich zu ihrem Namen kamen erfahren Sie unter von frid zu Friedenberger und
    Ableitungen von Friedenperger, Fri(e)denberger in Fri(e)denberger, Fri(e)denberg und ....

    5. Berufe der Friedenberger

    Die Friedenberger im Lodzer Land waren bis etwa 1850 durchweg Bauern, einige mit einem Zuverdienst durch die Weberei.
    In den sich rasch entwickelnden Städten war als Handwerker auch ein guter Verdienst möglich. Das nutzten auch manche Friedenberger.

    Der oben genannte Polizeioffizier Johann Georg Friedenberg hatte sieben Kinder; drei Söhne und vier Töchter.
    - sein ältestes Kind, der Johann Gustav, wurde Pfarrer (von 1912 bis 1945 in Prazuchy, nach 1945 Pfarrer in Bitterfeld, gestorben 1962 in Stuttgart, kinderlos),
    - sein jüngstes Kind, Eugen-Erwin, wurde Arzt. Erst praktizierte er in einem Lodzer Krankenhaus (hat dort um 1930 als Chirurg einer Bekannten den Blinddarm entfernt); 1937 dann als selbständiger Artzt in Berlin - Frohnau.
    Kein anderer mir bekannte Friedenberger der östlichen Linie hatte bisher seinen Kinder so eine berufliche Ausbildung ermöglicht.
    Der Staat sorgte (und sorgt auch heute) stets gut für seine treuen Diener.
    Damit wurde hier auch erstmalig dauerhaft die Bildungsschranke übersprungen, denn vier Kinder des Dr.-med Eugen-Erwin Friedenberg haben auch eine akademische Ausbildung erhalten.
    Diesen Bildungsschritt meisterten weitere Friedenberger–Familien erst Jahre nach dem 2. Weltkrieg.

    6. Abwandern der Friedenberger

    Dort und damals waren die Familien allgemein kinderreich, so auch die Friedenberger. Deshalb konnten hier auch nicht mehr alle Bauern werden. Wer nicht Knecht, Magd oder in die Stadt wollte, musste sich freies Siedlungsland suchen. Weiter östlich war gutes Land zu haben, so um Radom und Lublin und in Wolhynien.
    So zog es auch Friedenberger dort hin.

    6.1 Abwandern aus der östlichen Gruppe

    Zwischen 1845 und etwa 1860 gingen ein Sohn und ein Enkel des Samuel aus Janówka nach Wykno (nördlich Ujazd) und Adamów bei Budziszewice.

    Um 1874 sind von Wykno bei Tomaszów Maz. die Söhne Samuel und August des unter 4.1 genannten Anton Friedenberger nach Leokadiów und Zarzecze (zwischen Radom und Lublin).
    Nachfahren von diesen sind in zwei Schüben zwischen 1928 und 1930 nach Argentinien.

    Aus Tomaszów (Maz.?) ist ein Friedenberger zwischen 1900 und 1910 , nach Kaldus südlich Kulm im Kulmer Land.
    Nachkommen siedelten auch in Kalonka, nördlich von Kulm. Diese sind um 1945 nach Deutschland (nördlich Berlin und Niedersachsen)
    Ein Friedenberger ist vor 1930 nach Gladstone/Manitoba in Kanada.

    Wanderbewegungen dieser Friedenberger zeigen nachfolgende Aufstellungen:
    Friedenberger von Janówka Blatt 1 nach .....
    Friedenberger von Janówka Blatt 2 nach .....

    6.2 Abwandern aus der westlichen Gruppe

    Zwischen 1876 und 1877 siedelte sich Ferdinand Friedenberger aus Czyźemin mit seiner Frau Ernestine, geb. Mantei und seinen vier Kindern in Bryschtsche (Bryszcze) bei Roshyschtsche (Roźyszcze) im Kreis Luck in Wolhynien an.
    Kurz darauf kamen seine Brüder Gottfried (verheiratet mit Eva Fiege) und Karl (verheiratet mit Rosalia Fiege) ebenfalls nach Wolhynien.

    Nach dem gegen die Russen gescheiterten Aufstand 1905 sind einige Friedenberger aus dem Lodzer Umland nach Deutschland, so in die Berliner Gegend, in das Ruhrgebiet und das Umland von Aachen.
    Der 1858 in Majówka geborene Michael Friedenberger ging über Teschen in Oberschlesien (dort Trauung 1910 mit Eva Czyz) und dann nach Rippin (Rypin) ins Dobriner Land in Polen und später nach Graudenz an der unteren Weichsel in Polen.

    Nach dem 1. Weltkrieg brach für die Lodzer Textilindustrie der russische Markt weg, eine hohe Arbeitslosigkeit war die Folge. Gleichzeitig bevorzugte der 1918 gebildete neue polnische Staat die Polnischstämmigen.

    Viele Deutsche wurden arbeitslos. Sie gingen deshalb nach Deutschland, so auch einige Friedenberger, vornehmlich nach Berlin, Dresden und in andere industrielle Ballungsgebiete.

    Friedenberger Majówka Blatt 1 nach .....
    Friedenberger von Majówkai Blatt 2 nach .....

    6.3 Abwandern aus südlicher Gruppe

    1889 heiratete in Rozyszcze in Wolhynien der 19 jährige Adolf Friedenberger aus Karlin bei Piotrków eine 56 jährige Witwe.
    Der Verbleib der anderen Petrikauer Friedenberger ist mir nicht bekannt.

    6.4 Flucht und Vertreibung um 1945

    1945 und danach haben viele Friedenberger das Lodzer Land verlassen. Die meisten sind nach Deutschland, aber auch einige nach Kanada und in die USA.

    In meiner Geburtsgegend nördlich Tomaszów Mazow. wurde unser Name durch die polnischen Behörden in Frydenberg geändert.
    Aus Polen 1965 in die DDR zugezogene Frydenberg erhielten hier ihren ursprünglichen Namen nicht zurück, sie heißen heute Friedenberg.

    7. In Polen verbliebene Friedenberger

    In Polen sind nach 1945 mehr Friedenberger verbliebenen als ich ursprünglich dachte.
    Sie heißen heute Friedenberger, Fridenberger, Frydenbergier, Friedenberg und Frydenberg.

    Von den 47 im Telefonbuch um 1995 genannten Friedenberger/Fridenberger lebten 38 in den Wojewodschaften Łódź, Piotrków und Sieradz. Diese gehören mit hoher Sicherheit zu den Friedenberger aus dem Lodzer Gebiet.
    Bei den 35 genannten Frydenberg gehören vermutlich ca. 30 zu den Friedenberger, denn 12 wohnten in Łódź und 17 in den Wojewodschaften Gorzów und Poznan. In den letzten beiden Wojewodschaften leben Cousins und deren Kinder von mir.

    Friedenberger im heutigen Polen.

    8. Nachkommen der Lodzer Friedenberger im heutigen Deutschland

    Die Friedenberger - Nachfahren aus dem Lodzer Land sind in ganz Deutschland am häufigsten vertreten. 40 % der in Deutschland lebenden Friedenberger stammen aus dem Lodzer Siedlungsgebiet. Rechnet man die wolhynischen Friedenberger hinzu, die im Lodzer Land ihren Ursprung haben, sind es gar 66%.

    Stellt man die im Telefonbuch Deutschland verzeichneten Friedenberger auf einer Karte dar
    gegenwärtige Friedenberger in Deutschland,
    sieht man dann, dass die Friedenberger über ganz Deutschland verteilt sind. Das ist bei den relativ wenigen Friedenberger (gemessen an der Anzahl anderer Namen) ein Zeichen dafür, dass diese Verteilung das Ergebnis von Flucht, Vertreibung und Umsiedlung ist.

    Quelle für obige Angaben

    Bis 1945 gab es in Polen keine eigenständigen Standesämter. Deren Tätigkeit übten die Pfarrer mit aus.
    Damit sind für die Zeiten vor 1945 die Kirchenbücher fast die einzige Quellen für die Familienforschung.
    Für die westliche und die Lodzer Friedenberger-Gruppne sind die evangelischen Kirchenbücher im wesentlichen erhalten.
    Dagegen sind die für die östliche und südliche Lodzer Gruppe so wichtigen evangelischen Kirchenbücher von Brzeziny und Tomaszów und Piotrków Tryb. (bis auf geringe Reste) 1945 vernichtet worden.

    • Im Archivum Państwowe Łódzi gefilmte Kirchenbücher, die ich in Forschungsstellen der Kirche Jesu Christi eingesehen habe.
      und zwar Bücher der
      - evangelischen Kirchen Łódź, Nowosolna, Pabianice, Łask, Konstantynów Łódzki, Aleksandrów Łódzki, Piotrków Tryb. (vorhandene Reste)
      - katholischen Kirchen Kazimierz, Mikolajewice, Łódź, Mileszki , Galków, Ujazd, Kurowice, Łaznów, Budziszewice, Górka Pabianicka
    • Im Archivum Państwowe w Warszawski gefilmte Kirchenbücher der evangelischen Kirche Rozyszcze, die ich in Forschungsstellen der Kirche Jesu Christi eingesehen habe
    • Genehmigung der SLUB Dresden Nr. 5869/2007 zur Veröffentlichung von erhaltenen Landkarten-Kopien
    • Gluszak, Jan, aus KonstantynŁw Łódzki, der für mich auch Auszüge aus Kirchenbüchern im Archivum Państwowe w Łódzi vornehmlich für den Zeitraum nach 1876 in ganz uneigennütziger Art anfertigte
    • Gerichts-und Notarakten von Tomaszów Maz., die ich aus privatem Besitz erhalten habe
    • Ahnennachweise verschiedener Friedenberger
    • Befragung vieler Friedenberger und ehemaliger Bewohner aus dem Lodzer Land
    • Kirchlicher Suchdienst Stuttgart
    • Friedenberg, Johann Gustav: Daten aus meinem Leben, Der Heimatbote 1959
    • Breyer, Albert: “Deutsche Gaue in Mittelpolen”, erschienen in “Deutsche Monatshefte in Polen”, Sompolno, 1935
    • Privates Archivum Cyniak in Tomaszów Maz.
    zurück zur Hauptseite