1. Einführung

Die Landsuchenden aus Süddeutschland zogen früher allgemein nach Österreich und Böhmen und später, nach dem Vertreiben der Türken, auch nach Ungarn.
Die Herkunft der Friedenberger aus Niederbayern in das Umland von Neutomischel ist sowohl über die deutschen Länder als auch über Österreich, Böhmen und Schlesien möglich.
Deshalb habe ich auch versucht, die österreichischen Friedenberger näher zu betrachten. Das ist recht schwierig, weil es bei den Mormonen kaum gefilmte österreichische Kirchenbücher gibt.
Das eigene Auswerten der einschlägigen Kirchenbücher ist somit fast nur in den jeweiligen Pfarrämtern bzw. zentralen kirchlichen Archiven möglich.

2. die ersten Friedenberger in Österreich

Den ersten Hinweis auf Friedenberger in Österreich konnte ich im Datenbestand der Mormonen u.a. für St. Radegund bei Kumberg in der Steiermark mit folgenden Angaben finden:

    “ 1727 Trauung Andreas Wardbichler mit Maria Fridenberger”

Aus der mündlichen Überlieferung der Kumberger Friedenberger ist bekannt, dass der erste Friedenberger aus Bayern stammte.
Wohl ein Hans Friedenberger hat 1757 in Kumberg, unweit von St. Radegund, ein Haus errichtet und in diesem wohnten und wohnen Friedenberger ununterbrochen bis in die Gegenwart.

Im katholischen Kirchenbuch von Ettlingen bei Karlsruhe habe ich gefunden:

    “1711 November 20
    Baptisato est Maria Elisabetha filia legitimo Dei Joannis Jacobi Fridenberger, viennensis, Kays. feuerwerker et Anna Maria coniuges
    Levanti Dei Joanne Georgio Tauffer aus ?ürkey et Anna Maria Hammerin”

    In das Deutsche übertragen würde das heißen:

    “20. November 1711
    Getauft wurde Maria Elisabeth, die legitime Tochter des Johannes Jacob Fridenberger, aus Wien, Kaiserlicher Feuerwerker und der Ehefrau Anna Maria
    Taufpaten waren Johann Georg Tauffer aus der Türkei[?] und Anna Maria Hammerin”

    Anmerkung: ein Feuerwerker war ein Spezialist für Sprengstoffe

Aus anderen Einträgen in diesem Kirchenbuch ist ersichtlich, dass zwischen 1707 und 1712 österreichische Soldaten sich in der Gegend um Ettlingen aufhielten. Als Herkunftsorte bzw. –länder wurden u. a. genannt: Wien, Preßburg, Enzberg; Türkei, Ungarn, Böhmen.
Der geschichtliche Hintergrund ist im Spanischen Erbfolgekrieg zu suchen. Von 1701 und 1714 wurde zwischen Bayern und dem verbündeten Frankreich auf der einen Seite und den Kaiserlichen mit den Engländern auf der anderen Seite um die spanischen Erblande gekämpft.
Nach der für Bayern verlorenen Schlacht 1704 bei Hochstädt an der Donau zogen sich die Bayern zu ihrem Verbündeten Frankreich auf die linke Rheinseite zurück.
Die Kaiserlichen unter Prinz Eugen besetzten die Länder rechts des Rheins.
Und zu diesen Kaiserlichen wird auch der obige Johannes Jacob Fridenberger gehört haben.

In der Schlacht 1805 bei Austerlitz in Böhmen zwischen den Franzosen und Österreichern hat sich der Kommandant Friedenberger der österreichischen Artillerie besonders hervorgetan.
Deshalb wurde ihm am Ort der damaligen Schlacht ein Denkmal, das 2002 noch stand, errichtet.
im Internet fand man es bis Dezember 2008 unter ‏ http://www.histoire-empire.org/austerlitz/images_du_pratzen.html"
(linkes Bild in der mittleren Reihe)
Kommandant Friedenberger
In anderen Quellen wird jedoch nicht von Friedenberger, sondern von Frierenberger geschrieben.
Den Namen Frierenberger gibt es heute im Telefonverzeichnis Österreich nicht.

Hier will ich auch noch von gefundenen Angaben über einen Friedenberger berichten, deren Ursprung sich 1589 in Böhmen und Polen zugetragen hat.
Da sich dieser Vorgang im Auftrage des Habsburgerkaisers Rudolf II ereignet hat, füge ich diese Angaben auch im Beitrag über die Friedenberger in Österreich ein.

Hier der Sachverhalt:
Um die vakante Königskrone Polens kam es in den Jahren 1587/88 zwischen den Habsburgern und den Polen zu Streitigkeiten.
Wilhelm von Rosenburg wurde vom Kaiser beauftragt, diesen Streit mit Polen zu schlichten.
Ihm gelang es im März 1589 einen Friedensvertrag herbeizuführen.
Wilhelm von Rosenberg (tschechisch Vilém z Rožmberka; geb. 10. März 1535; gestorben 1592), war ein böhmischer Adliger, Diplomat und Politiker.
Er besuchte einige Jahre die Ausbildungseinrichtung für junge Adelige in Passau.
Später bekleidete er viele Jahre das höchste Amt im Königreich Böhmen; Jahrzehnte war er nach dem König hier der zweite Mann.
Die Besitzungen der Rosenberger lagen hauptsächlich um Krumlau (Krumlov) in Südböhmen.
Über Wilhelm von Rosenberg gibt es u.a. eine umfangreiche Lebensbeschreibung von Wácslaw Březan, erschienen 1847 in Prag.
Darin wird auch seine Reise 1589 nach Polen in Form eines Tagebuches beschrieben.
In diesem Buch findet sich auf der Seite 286 folgender Eintrag:

Der Text ist in Alttschechisch verfasst. Die Übersetzung war deshalb schwierig. Mehrere Sprachkundige, die des Tschechischen, Polnischen, Russischen und Bulgarischen mächtig sind, haben sich um die Übersetzung mit folgendem Ergebnis bemüht:

    " Das Leben des Wilhelm von Rosenberk
    Im Jahre des Herrn 1589

    Im vergangenen Jahre wurde bekannt, dass der Herr (Wilhelm von Rosenberk) den Weg auf sich nahm in den Herrschaftsbereich des Königreichs Polen, aber auch
    1. Im Januar nach Jaromer', sich der Grenze zu Schlesien nähernd;
    2. nach Nachod, nahe zu Schlesien fuhr er zu Herrn Jaroslaw aus Smiric;
    3. wo er auch einigermaßen übernachtete
    4. nach Reichenstein
    5. an die Neiße, wo er Wohnung nahm bei Bischof Wratislavski, angekommen, er hier gut (traktirovan) , so dass er am nächsten Tag sich ausruhte.
    7. Der Herr fuhr nach Silce
    8. nach Kosli, und hier bekam er mit der Post von JMCe`
    9. Waiskrätzen
    10. Beuten nach Bytom
    11. Der Herr sah sich wieder mit dem Kardinal Aldobrandin, dem Gesandten des Papstes
    12. Der Kardinal fuhr von den Kommissaren des Kaisers nach Bendzin, und die Kommissare fuhren zum Erzfürst des Kaisers, zu Maximilian Friedenberger
    15. Herr Strein kam an und es waren nun ein kaiserlicher Kommissar mit Kristof Popel auch p. Promnic anwesend
    22. Herr Wilhelm von Rosenberg wollte sein beim Herrn Kardinal
    28. Es kamen zum Herren die Legaten, der Herr Wojewode Rawsky und der Herr Wojewode Bresky“

Der für mich besonders wichtige Teil dieses Textes, der das Geschehen vom 12. Januar schildert und in dem der Name Friedenberger vorkommt, konnte aber bisher nicht eindeutig übersetzt werden, denn als Erzfürst (Erzherzog) wurde damals der Thronanwärter bezeichnet und das war mit Sicherheit kein Friedenberger.

Vielleicht findet sich aber jemand unter den Lesern, der das genauer übersetzen kann.

3. Verbreitung der Friedenberger in Österreich

Karte mit Wohnorten der Friedenberger in Österreich

Die Ortsangabe Wien bei der Taufe der Maria Fridenberger 1711 in Ettlingen muss auch auf das Umland von Wien ausgeweitet werden, denn bei anderen Eintragungen in diesem Kirchenbuch wurden entweder nur große Städte oder nur die Herkunftsländer genannt.
Mit dem Zurückdrängen der Türken nach ihrer Niederlage 1683 vor Wien wurden neue Siedlungsgebiete erschlossen. Spätestens dann haben sich auch Friedenberger in Richtung Süden begeben und sich um Graz angesiedelt.
Zusätzlich zu den Friedenberger in Kumberg konnte ich für das 19. Jh. Friedenberger in Weizberg bei Anger in der Steiermark finden.
Hier wurde ein Johann Friedenberger 1836 geboren, der 1877 die 1846 in Unterdissau, Gemeinde Fischbach, geborene Magdalena Gösselbauer heiratete.
Ebenfalls lebten Friedenberger (nach Angaben US-amerikanischer Friedenberger) vor 1920 im heutigen Jugoslawien.
Verglichen zu den vielen Friedenberger in Polen gibt es gegenwärtig wenige in Österreich.
Hatten sie so wenige Kinder oder sind so viele ausgewandert?

4. Abwanderung von Friedenberger aus Österreich

In Pennsylvania lebende Friedenberger geben als Herkunft Jugoslawien an. Deren Vorfahren wanderten nach Bildung des jugoslawischen Staates in die USA aus.
Etwa gleichzeitig ging ein Friedenberger aus der Grazer Gegend in das Ruhrgebiet.
Ein Sohn von diesem ist um 1940 nach Danzig. Von ihm stammen die heute in und um Danzig lebenden Friedenberger.
Ein anderer Sohn hat Kinder im Ruhrgebiet und in Mitteldeutschland.

5. heutige Nachfahren der Friedenberger in Österreich

Im Telefonbuch von Österreich sind sechs Friedenberger eingetragen, wohnhaft vorwiegend in der Steiermark (Kumberg, Gralla bei Leibnitz).
Aber auch die Friedenberger in Königstetten und Wien haben ihren Ursprung in der Steiermark

Quelle für obige Angaben

  • Verfilmtes Kirchenbuch der katholischen Kirche Ettlingen, das ich in einer Forschungsstelle der Kirche Jesu Christi ausgewertet habe
  • Georg Rusam: Österreichische Exulanten in Franken und Schwaben, 1989
  • Angaben von Friedenberger in Österreich und Friedenberger-Nachkommen in Deutschland, Polen und USA
  • Wácslaw Březan: ŽIWOT WILÉMA Z ROSENBERKA , Verlag: Kronberg, Prag 1847
  • Internet

zurück zur Hauptseite