1. Vorbemerkung

Gezielte Forschungen über diese Friedenberger habe ich nicht angestellt.
Die nachfolgenden Angaben habe ich bei den Forschungen über die “östlichen” Friedenberger gewonnen, hinzu kamen noch Zufallsfunde.

Schon vor der Jahrhundertwende 1900 verschlechterten sich die Verhältnisse der Deutschen in Russland.
Deshalb wanderten viele Deutsche aus Mittelpolen, Wolhynien und dem Wolgaggebiet nach Nord- und Südamerika aus.

Als sich während des 1.Weltkrieges und danach die Lebensbedingungen der Deutschen in Polen wieder merklich verschlechterten, folgten weitere Auswanderungswellen nach Übersee.

2. Friedenberger in Argentinien

In Argentinien siedelten sich in zwei räumlich geschlossenen Gebieten vornehmlich drei deutschsprachige Gruppen an.

Wolgadeutsche siedelten sich vornehmlich in der Provinz Entre Rios an.
So sind etwa 70 Prozent der 20.000 Einwohner in Crespo deutschstämmig. Deutsche Siedler gibt es in Crespo bereits seit über 120 Jahren.
So ist auch der Vater des Gabriel Heinze, des langjährigen Mitgliedes der argentinischen Fußball- Nationalmannschaft, ist wolgadeutscher Herkunft.

Neben den wolgadeutschen Dörfern in Entre Rios ist vor allem der Norden Argentiniens von deutschen Einwanderern geprägt.
In der Provinz Misiones schufen sich kurz nach dem 1. Weltkrieg Deutsche und Schweizer im subtropischen Urwald eine neue Existenz auf. Laut Schätzungen sprechen allein in dieser Region etwa 100.000 Menschen Deutsch. Viele von ihnen leben in Eldorado, einer 100.000-Einwohner-Stadt.

Naturgemäß hielten die Landsleute besonders anfangs zusammen. Sie bildeten eigene Interessengemeinschaften.
So haben sich die Deutschen evangelische Kirchen, Schulen, auch deutsche Hospitäler und Altersheime erbaut.
Die in in geschlossenen Gebieten lebenden Deutschen halten zäh an ihrer Sprache und ihrem evangelischen Glauben fest.
Beim Lesen der Briefe von argentinischen Friedenberger aus Eldorado war ich sehr überrascht über die kenntnisreichen familiären Zusammenhänge, die angenehme und bildhafte Ausdrucksweise und gute Rechtschreibung.

Die meisten Nachfahren dieser deutschen und schweizer Nachkommen beherrschen heute Spanisch und Deutsch.
Die jüngeren Friedenberger, die in Städten wohnen und mit argentinischen Frauen verheiratet sind, pflegen die deutsche Sprache nicht mehr.

2.1 Die ersten Friedenberger und deren Herkunft

aus Tomaszowice bei Lublin in Polen

Die Vorfahren der heutigen Friedenberger in der Provinz Misiones kamen aus Polen, aus Tomaszowice bei Lublin.
aus Tomaszowice nach Argentinien.
Sie gehören demnach zu den Friedenberger, die zwischen Radom und Lublin wohnten. Gekommen waren sie um 1870 aus Wykno bei Tomaszów Maz. Damit gehören sie vom Ursprung zur östlichen Lodzer Gruppe der Friedenberger.

1928 wanderte ein Sohn vom August Friedenberger (geboren 1873 in Leokadiów) aus Tomaszowice bei Lublin mit seiner Familie nach Argentinien aus.
Ihm folgten 1930 seine Eltern August und Emilie

und weitere vier Geschwister mit ihren Familien und auch Christoph Friedenberger, der vermutlich einige Jahre zuvor nach Wolhynien ausgewandert war.

Diese Friedenberger erwarben im heißen Norden Argentiniens, in der Provinz Misiones, im sogenannten argentinischen “Daumen” zwischen Brasilien und Paraguay, Bauernland um Eldorado und Montecarlo

Nach 1945 kamen weitere Friedenberger aus der Lubliner Gegend, die ihre Heimat in Polen verloren hatten.

Friedenberger aus dem wolgadeutschen Gebiet in Russland

Beginnend ab 1878 sind Tausende Wolgadeutsche nach Argentinien ausgewandert.
Ein Einwander war auch Carlos Fridenberger, der in dem Buch "Los Alemanes del Volga y los Salesianos en La Pampa" (Die Deutschen der Wolga ....in der Pampa) namentlich genannt wurde.
Mehr ist mir über ihn und seine eventuellen Nachkommen noch nichts bekannt.

2.2 Verbreitung der ersten Friedenberger in Argentinien

Die ersten Friedenberger siedelten sich in und in der Nähe der Städte Montecarlo und Eldorado an, die später Angekommenen auch in Buenos Aires. Friedenberger wohnen heute auch in Posadas.
Zumindest die ersten Friedenberger waren kinderreich. Augusts Söhne und der Christoph hatten insgesamt 32 Kinder.
Heute leben in Argentinien etwa 35 Friedenberger – Familien, wobei zu ihnen auch die Fridenberger und Friedemberger gehören. Vermutlich gehören aber auch einige Friedenberg, Fridenberg und Friedemberg zu ihnen.
Die Schreibweise unseres Namens auch mit Fri(e)demberg und Fri(e)demberger habe ich nur im   Kalischer Land   gefunden. Dort gehe ich auch auf die unterschiedliche Schreibweise unseres Namens ein.
Mann könnte aus dieser Schreibweise schlussfolgern, dass auch Friedenberger aus dem Kalischer Land nach Argentinien sind.

2.3 Berufe der Friedenberger

Die ersten mir in Argentinien bekannten Friedenberger waren hauptsächlich Bauern, einige auch Handwerker.
Gustav Friedenberger, geb. um 1900, war in Eldorado als Zimmermann tätig.
Ein Brief von ihm von 1948 an seinen Cousin nach Deutschland, der auch aus Polen flüchtete, ist mit Gustavs Firmenstempel versehen.
Da dieser Stempel schlecht lesbar ist, habe ich ihn teilweise nachgestellt.

Originalstempelabdruck

3. Friedenberger in Brasilien

In Czyżemin in der Kirchgemeinde Pabianice im Lodzer Land wurden dem Gottlieb Friedenberger von seiner Ehefrau Anna Rosina Mager zehn Kinder geboren.
Sie gehörten damit zur westlichen Gruppe der Friedenberger im Lodzer Land.
Mehr zu diesen Friedenberger finden Sie unter Friedenberger im Lodzer Land   Pkt. 2. und 5.
Drei deren Söhne gingen zwischen 1876 und 1887 mit ihren Familien nach Wolhynien.
Mehr zu ihnen unter Friedenberger in Wolhynien   Pkt. 4.2 und 6.2.
Einer von ihnen wanderte nach Brasilien aus.
Es war dies Gottfried Friedenberger, geboren 1845 in Czyżemin, verheiratet mit Eva Fiege. Sie wohnten ab 1888 in Nowa Dmitrówka, wenige Kilometer südwestlich von Roschyschtsche (Roźyszcze) im Kreis Lutzk (Luck)
Gottfrieds Frau Eva starb im Januar 1890 mit 42 Jahren bei der Geburt von Zwillingen. Es waren dies die Kinder 14 und 15. Vermutlich kommen noch ein bis zwei noch unbekannte Kinder hinzu.
So begab er sich 1890 als Witwer mit seiner Kinderschar auf die lange Reise nach Brasilien.
Diese Friedenberger gehöhrten damit zu den ca. 30.000 Wolhyniendeutschen, die um 1890 nach Brasilien auswanderten.
Der Gottfried siedelte sich in Alfredo Chavez (heute zu Veranópolis, nördlich von Porto Alegre) im Bundesstaat Rio Grande do Sul an.
Er ist damit der Vorfahre der heute in Brasilien verstreut wohnenden Friedenberg(er).

Quelle für diese Angaben

  • Bierwerth, Heike, Anklam: Briefwechsel mit Übergabe von Unterlagen aus ihrem Schriftverkehr mit
     argentinischen Friedenberger zwischen 1948 und 1998 bis 2000
  • Mitteilungen von verschiedenen Friedenberger-Nachkommen in Deutschland
  • Gerichtsprotokolle des Richters und Notars G.W. Müller aus Tomaszów Maz. von 1876 bis 1883
  • Celso José Valla: Los Alemanes del Volga y los Salesianos en La Pampa, 1978
  • Schriftverkehr mit Kenny Sontag aus Porto Alegre in Brasilien
  • Angaben aus dem Internet
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